Ich probiere zuerst selbst zu verkaufen Wann ein Privatverkauf sinnvoll sein kann – und wann professionelle Unterstützung Zeit, Geld und Nerven spart

Mythos oder nicht?

Wer eine Immobilie verkaufen möchte, stellt sich häufig zuerst eine ganz natürliche Frage: Soll ich es zunächst selbst versuchen oder direkt einen Immobilienmakler beauftragen?

Viele Eigentümer entscheiden sich zunächst für einen Privatverkauf. Schliesslich scheint der Ablauf auf den ersten Blick überschaubar:

Ein paar Fotos machen. Ein Inserat veröffentlichen. Besichtigungen organisieren. Einen Käufer finden.

Doch in der Praxis zeigt sich häufig, dass der eigentliche Verkaufsprozess deutlich komplexer ist, als viele zunächst erwarten.

Ein Privatverkauf kann durchaus funktionieren – aber nicht in jeder Situation.

Wann ein Privatverkauf durchaus sinnvoll sein kann

Es gibt Fälle, in denen Eigentümer ihre Immobilie erfolgreich selbst verkaufen.

Zum Beispiel dann, wenn:

  • Bereits ein Käufer aus dem Familien- oder Freundeskreis feststeht
  • Ein Nachbar oder Bekannter Interesse hat
  • Es sich um eine einfach zu bewertende Standardwohnung handelt
  • Genügend Zeit vorhanden ist, um sich intensiv mit dem Verkaufsprozess auseinanderzusetzen

In solchen Situationen kann ein Privatverkauf durchaus eine sinnvolle Lösung sein.

Die grösste Herausforderung beginnt oft beim Verkaufspreis

Viele Eigentümer kennen ihre Immobilie seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Sie wissen, welche Erinnerungen damit verbunden sind. Welche Renovationen durchgeführt wurden. Und welche Emotionen dieses Zuhause auslöst.

Der Markt bewertet eine Immobilie jedoch anders.

Er orientiert sich unter anderem an:

  • Der aktuellen Nachfrage
  • Der Mikrolage
  • Der Aussicht
  • Der Privatsphäre
  • Dem Zustand
  • Vergleichbaren Verkäufen
  • Der Zielgruppe

Gerade hier entstehen häufig Fehleinschätzungen:

Ein zu hoher Preis führt oft dazu, dass eine Immobilie lange am Markt bleibt. Ein zu tiefer Preis kann hingegen dazu führen, dass ein erheblicher Vermögenswert verschenkt wird.

Eine realistische Marktwertermittlung bildet deshalb die Grundlage jeder erfolgreichen Vermarktung.

Interessenten sind noch keine Käufer

Eine gut besuchte Besichtigung bedeutet noch lange nicht, dass ein Verkauf zustande kommt. Zwischen einer ersten Anfrage und der Eigentumsübertragung liegen zahlreiche Schritte.

Dazu gehören unter anderem:

  • Die Prüfung der Bonität
  • Die Finanzierung
  • Vertragsverhandlungen
  • Die notarielle Vorbereitung
  • Behördliche Abklärungen
  • Die Koordination aller Beteiligten

Gerade diese Phase wird von Eigentümern häufig unterschätzt.

Verhandlungen sind oft emotionaler als erwartet

Für viele Eigentümer ist eine Immobilie weit mehr als nur ein Vermögenswert. Sie ist mit Erinnerungen, Lebensgeschichten und persönlichen Erfahrungen verbunden.

Käufer betrachten dieselbe Immobilie hingegen mit einem anderen Blick:

Sie vergleichen. Sie verhandeln. Sie suchen Argumente für einen tieferen Preis.

Gerade in solchen Gesprächen hilft eine neutrale Drittperson häufig dabei, sachlich zu bleiben und tragfähige Lösungen zu finden.

Ferienwohnungen und Luxusimmobilien stellen besondere Anforderungen

Nicht jede Immobilie lässt sich gleich vermarkten. Gerade im Tessin gelten bei Ferienwohnungen und Zweitwohnsitzen teilweise besondere gesetzliche Rahmenbedingungen.

Hinzu kommen häufig internationale Käufer, unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten sowie Fragen rund um Lex Koller oder den Zweitwohnsitzstatus.

Auch bei hochwertigen Immobilien spielen Diskretion, Zielgruppenansprache und eine individuelle Vermarktungsstrategie eine entscheidende Rolle.

Ein Makler verkauft nicht nur eine Immobilie

Viele Menschen verbinden Immobilienmakler in erster Linie mit Inseraten und Besichtigungen. Tatsächlich beginnt die eigentliche Arbeit jedoch viel früher und endet erst mit der erfolgreichen Immobilienübergabe.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Die Marktanalyse
  • Die Preisstrategie
  • Die Aufbereitung der Verkaufsunterlagen
  • Die professionelle Präsentation
  • Die Qualifizierung der Interessenten
  • Die Koordination mit Banken und Notaren
  • Die Begleitung bis zur Schlüsselübergabe

Oft sind es gerade diese Aufgaben im Hintergrund, die über den Erfolg einer Vermarktung entscheiden.

Privat verkaufen oder professionelle Unterstützung?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Ein Privatverkauf kann in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein.

Genauso gibt es jedoch Immobilien, bei denen Erfahrung, Marktkenntnis und ein strukturiertes Vorgehen entscheidend dazu beitragen können, Zeit zu sparen, Risiken zu reduzieren und den bestmöglichen Verkauf zu erzielen.

Letztlich sollte nicht die Frage im Mittelpunkt stehen: "Kann ich meine Immobilie selbst verkaufen?"

Sondern vielmehr: "Welcher Weg führt für meine persönliche Situation zum besten Ergebnis?"

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich meine Immobilie problemlos selbst verkaufen?

Ja. Grundsätzlich kann jeder Eigentümer seine Immobilie privat verkaufen. Entscheidend ist jedoch, ob ausreichend Zeit, Marktkenntnis und Erfahrung vorhanden sind, um den gesamten Verkaufsprozess professionell zu begleiten.

Spart ein Privatverkauf automatisch Geld?

Ein erfolgreicher Immobilienverkauf misst sich nicht daran, wie viel Provision eingespart wurde – sondern daran, welches Ergebnis am Ende für den Eigentümer erzielt wurde.

Wann lohnt sich die Unterstützung durch einen Immobilienmakler?

Vor allem bei hochwertigen Immobilien, Ferienwohnungen, Erbengemeinschaften, komplexen Eigentumsverhältnissen oder wenn Eigentümer wenig Zeit haben, kann eine professionelle Begleitung den Verkaufsprozess erheblich erleichtern.

Ist ein Immobilienmakler nur für die Vermarktung zuständig?

Nein. Neben der Vermarktung übernimmt ein Makler häufig auch die Bewertung, Preisstrategie, Käuferqualifizierung, Verhandlungen sowie die Koordination mit Banken, Behörden und Notaren.

Kann ich mich auch erst beraten lassen und später entscheiden?

Selbstverständlich. Viele Eigentümer informieren sich zunächst unverbindlich über den Marktwert ihrer Immobilie und entscheiden erst danach, welcher Verkaufsweg für sie der richtige ist.

Persönlich. Klar. Verantwortungsvoll.

Jede Immobilie und jede persönliche Situation ist anders. Deshalb gibt es auch keinen Verkaufsweg, der für alle Eigentümer gleich gut geeignet ist.

Manchmal ist ein Privatverkauf die richtige Entscheidung. Oft zeigt sich jedoch bereits in einem unverbindlichen Gespräch, welche Möglichkeiten bestehen und welche Strategie den grössten Erfolg verspricht.

Eine gute Entscheidung beginnt nicht mit Druck – sondern mit einer ehrlichen und kompetenten Beratung.

Über die Autoren

Damiano Bertolotti ist Immobilienvermarkter mit eidgenössischem Fachausweis, im kantonalen Verzeichnis der Immobilientreuhänder registriert und verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Bautechnik, Finanzierung und Immobilienvermarktung.

Fabienne Helen Daul ist auf die Bewertung sowie Vermarktung von Immobilien in Ascona, Locarno, Minusio, Brione sopra Minusio, Ronco sopra Ascona, Brissago, Orselina und Gambarogno im Tessin am Lago Maggiore spezialisiert.

Gemeinsam begleiten sie Eigentümer persönlich beim Verkauf von Erst- und Zweitwohnsitzimmobilien im Tessin am Lago Maggiore.

Weitere Fachbeiträge rund um Immobilienverkauf, Immobilienbewertung und Marktwissen finden Sie in unserer Rubrik «Immo-Wissen».

Wann ein Privatverkauf sinnvoll sein kann – und wann professionelle Unterstützung Zeit, Geld und Nerven spart
Santiago Pascale

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Damiano Bertolotti & Fabienne H. Daul Team Case Bertolotti
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